Familie Erich Salmang
Die jüdische Großfamilie Salmang können wir in unserer Region bis ins achtzehnte Jahrhundert zurückverfolgen, als der 1771 geborene Aron Salomon in Stolberg, in der heutigen Städteregion Aachen lebte. Salomon ist ein alter und verbreiteter jüdischer Name, der in der französisierten Form Salman, auf Öcher Platt dann Salmang ausgesprochen wurde. 1808 erhielt Aron Salomon in Stolberg offiziell den Namen Alexandre Salmang.
Drei Generationen später wurde am 1. Oktober 1898 das jüngste der drei Kinder des Metzgermeisters Moses Salmang und seiner Frau Julie geb. Herz, Rudolf „Rudi“ Salmang, in Aachen in der Elsassstraße geboren.
Wir stießen auf seinen Namen und auf Daten über sein Verfolgungsschicksal bei den Recherchen zu Verwandten, für die wir in den Jahren 2020 und 2021 Stolpersteine verlegt haben. Rudolf Salmangs Vater Moses Salmang war ein Cousin von Albert Salmang, der mit seiner Frau Julie und dem Sohn Max (beide in Treblinka ermordet) eine Metzgerei im Templergraben 22 führte.
Rudolfs Vater starb schon 1907, als Rudolf erst acht Jahre alt war. Seine Mutter führte nach dem frühen Tod des Vaters zwischenzeitlich eine Schirm- und Schuhwarenhandlung in der Elsassstraße 41. Sein 8 Jahre älterer Bruder wanderte schon 1910 in die USA aus.
Über Rudolf Salmang wissen wir weiter, dass er 1928 als Bankbeamter in der Elsassstraße lebte, dann in der Viktoriaallee 2, der Maria-Theresia-Allee 25 und schließlich ab 1932 in der Römerstraße 37. Über sein persönliches Leben ist leider nicht viel bekannt außer, dass er Angestellter bei der Dresdner Bank war.
1938 emigrierte er nach Belgien. Die Eintragung im Bundesarchiv datiert die Emigration nach Belgien auf den 23. April 1938. Nach der deutschen Besetzung Belgiens ab Mai 1940 wurden viele jüdische, deutsche Männer von dort nach Frankreich deportiert, unter ihnen auch Rudolf Salmang.
Zunächst wurde er in das Lager St. Cyprien in Südfrankreich deportiert. Sein Name befindet sich auf der NAMELIST OF FOREIGN JEWISH REFUGEES LIVING IN BELGIUM AND DEPORTED BETWEEN MAY 10TH AND 15TH 1940 BY THE BELGIAN AUTHORITIES TO SOUTH-EASTERN FRANCE.
Schließlich wurde Rudolf Salmang am 10. August 1942 von Drancy aus nach Ausschwitz deportiert und dort ermordet. Sein Todesdatum im Sterberegister aus Auschwitz ist der 23. August 1942.
Zwei weitere Spuren zu Rudolf Salmang fanden sich im Internet:
Am 15. 2. 1947 hat der Moniteur Belge – Belgisch Staatsblad eine lange Liste von aus Belgien deportierten NS-Opfern veröffentlicht, die mit dem Todesdatum 17. 2. 1947 offiziell für tot erklärt wurden. In der Liste ist auch Rudolf Salmang aus Aachen aufgeführt mit dem Eintrag:
wohnhaft in Ixelles, 74 boulevard Charlemagne, Sohn von Moses Salmang und Julie Herz, Ehemann von Maria Wilms, Ende 1942 in Auschwitz.
Diesem Eintrag entnehmen wir, dass Rudolf Salmang mit einer Maria Wilms verheiratet war. Leider konnten wir bisher keine weiteren Fakten über Maria Wilms herausfinden. Es finden sich im Aachener Stadtarchiv auch keine Unterlagen zu einer Eheschließung.
Schließlich stießen wir im Internet auf eine Liste überlebender jüdischer Flüchtlinge aus Deutschland in Brüssel, die im August 1945 in der deutschsprachigen Exilzeitung „Aufbau“ in New York veröffentlicht wurde. Dort erfahren wir, dass im August 1945 eine Maria Salmang (geb. Wilms) in Brüssel lebte, also aller Wahrscheinlichkeit nach Robert Salmangs Frau.
Einem Gedenkblatt für Rudolf Salmang in Yad Vashem, das ein Verwandter (Shimon Weisbecker aus Haifa) 1999 eingereicht hat, ist ein Foto von Rudolf Salmang beigefügt, so dass wir zumindest ein Bild von ihm haben.
Fotos von der Verlegezeremonie am 21.2.2024: