Erwin und Frieda Herz
Erwin Herz wurde am 25.1.1902 als Sohn des Tabakwarengroßhändlers Max Herz und dessen Ehefrau Hedwig geb. Ballo in Aachen geboren.
Erwins Vater Max Herz war ein älterer, schon 1921 verstorbener Bruder von Paula Klein geb. Herz und von Josef Herz, die wie ihr Neffe Erwin im Nationalsozialismus ermordet wurden und zur Erinnerung an die wir 2022 am Büchel und in der Peterstraße Stolpersteine verlegt haben. Durch die Beschäftigung mit den Biografien von Paula Klein und Josef Herz wurden wir auch auf das Schicksal von Erwin und Frieda Herz aufmerksam.
Erwin hatte einen älteren Bruder Kurt, der nur ein halbes Jahr alt wurde, und eine jüngere Schwester Dorothea (geb. 1907), die im Jahr 1935 genauso wie die Mutter in Aachen in der Thomashofstraße 25 lebte.
Erwin Herz war Gärtner von Beruf und arbeitete als Verwalter und Friedhofsgärtner des Jüdischen Friedhofs in der Lütticher Straße. Ab 1931 hatte er eine Wohnung in dem Verwaltungsgebäude auf dem Friedhofsgelände in der Emmichstraße 39, heute Lütticher Straße 39. Er hatte dort auch eine kleine Gärtnerei mit Blumenverkauf.
1935 war Erwin Herz geschieden. Am 24.6.1935 heiratete er in Broichweiden seine zweite Frau, die am 12.2.1902 in Weiden geborene Frieda Rubens, Tochter der Eheleute Karl Rubens und Hanetta geb. Weil aus Broichweiden (s. das Hochzeitsfoto unten).
Erwins Schwester Dorothea Herz heiratete im Januar 1938 in Amsterdam Fritz Cohn aus Berlin und emigrierte mit ihm bald nach der Hochzeit nach Kolumbien. Sie konnten Erwins Mutter, die Witwe Hedwig Herz geb. Ballo, 1939 nach Kolumbien nachholen, so dass die Schwester und die Mutter von Erwin Herz, den Holocaust durch ihre Flucht nach Kolumbien überlebten. Einige Einzelheiten über die Lebenssituation und das Verfolgungsschicksal von Erwin und Frieda Herz kennen wir auch aus den inzwischen öffentlich zugänglichen Entschädigungsanträgen der Mutter und der Schwester von Erwin Herz nach 1945.
Drei Adressbucheinträge in den Aachener Adressbüchern von 1939, 1940 und 1941 zeigen sehr anschaulich die Entwicklung von Ausgrenzung und Verfolgung. Die Auszüge stammen jeweils aus dem Straßenregister zur Emmichstraße.
Adressbuch 1939
Adressbuch 1940
Erwin muss den zusätzlichen Vornamen Israel tragen. Friedas Cousin Josef Marx, dessen Schneidereibetrieb zwangsweise arisiert worden war, konnte offensichtlich zwischenzeitlich auch in den Räumen der jüdischen („israelitischen“) Gemeinde unterkommen.
Adressbuch 1941
Der Eintrag zum jüdischen Friedhof ist eliminiert.
Erwin und Frieda Herz wurden am 22. März 1942 gemeinsam mit Josef Marx und dessen Familie von Aachen aus nach Izbica deportiert und vermutlich wenige Monate später ermordet.
Siehe die Einträge 76 und 77 im Auszug aus einer Rekonstruktion der Deportationsliste (Statistik des Holocaust) des Transports vom 22.3.1942:
Unter den Einträgen 75, 78 und 79 ist die Familie des oben erwähnten Onkels Josef Herz aufgeführt, die mit demselben Deportationszug aus Aachen deportiert wurde und vorher in einem sogenannten Judenhaus in der Eupener Straße 249 interniert war.
Ein weiterer Cousin von Frieda Herz, Moritz Marx, der mit einer Katholikin verheiratet war und vermutlich deshalb den Holocaust überlebte, war auch Mitglied der Aachener jüdischen Gemeinde und hatte bis zur Deportation im März 1942 viel Kontakt zu Erwin Herz. Er erhielt im September 1942 ein letztes Lebenszeichen von den beiden aus Izbica.
Auch die Eltern von Frieda Herz geb. Rubens, Karl und Hanetta Rubens, die in Broichweiden lebten, wurden deportiert und 1943 im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz ermordet.
© Veronica Cohn Wengrow, Bogota
Von links nach rechts: ub, Johanna Eckelmann geb. Rubens, Karl Rubens, ub, Hanetta Weil, ub, ub, Frieda Rubens, ub, Erwin Herz, Levie van Emrik, Hedwig Herz geb. Ballo, Feodora Rubens, ub, das Streuengelchen vor der Braut: Renate Hirsch.