Emmy (geb. Herzberg) und Karl Leopold Barch

Auf das Ehepaar Brach wurden wir aufmerksam durch Einträge im Tagebuch des ehemaligen Aachener Mathematikprofessors Otto Blumenthal. Bevor das Ehepaar Blumenthal Mitte 1939 in die Niederlande flieht, erwähnt Otto Blumenthal im Februar 1939 einen „sehr behaglich[en]“ Besuch des Ehepaares Brach und im März einen „Besuch des guten, alten Brach“. Einige Details über die Eheleute Brach konnten wir der Biographie von Günter Müller im 2019 im Rimbaud Verlag erschienenen Gedenkbuch für die Opfer der Shoah aus Aachen entnehmen.

Emmy Brach geb. Herzberg wurde am 18. März 1874 in Aachen als Tochter der Eheleute Gotthold Herzberg und Berta geb. Meyer in eine jüdische Familie geboren. In erster Ehe war sie mit Jakob Otto Keiler verheiratet gewesen und zum protestantischen Glauben ihres ersten Ehemanns konvertiert. Nach dem Tod ihres ersten Mannes heiratete sie Karl Leopold Brach. Die Hochzeit fand am 28. Mai 1904 statt.

Karl Leopold Brach wurde am 11. Februar 1859 als Sohn von Salomon Brach und Johanna geb. Herz in Saarlouis geboren. Er studierte Jura und zog im Jahre 1897 als Amtsrichter nach Stolberg. Sieben Jahre später, kurz nach der Hochzeit mit Emmy, wurde er als Amtsgerichtsrat nach Aachen versetzt, wo er bis zu seinem Ruhestand im September 1926 arbeitete. Seiner Frau folgend konvertierte er 13 Jahre nach der Eheschließung, im Jahre 1917, ebenfalls vom jüdischen zum protestantischen Glauben.

Wie man den Vorlesungsverzeichnissen von 1925 bis 1933 entnehmen kann, war Karl Leopold Brach viele Jahre lang Syndikus der RWTH Aachen.

Über Karl Brach ist außerdem bekannt, dass er ein sehr engagiertes und angesehenes Mitglied im Alpenverein war, ab 1908 war er sogar im Vorstand. Mit seiner Frau nahm er an zahlreichen Wanderungen und Reisen teil, die er z.T. auch mit organisierte. Nach 37 Jahren Mitgliedschaft in der Sektion Aachen wurde er im Jahre 1937 aufgrund des Arierparagraphen ausgeschlossen.

Seit 1905 ist Karl Brach in den Aachener Adressbüchern als Bewohner und als Eigentümer des Hauses Försterstraße 28 aufgeführt. Dieses Haus wurde 1941 zum „Judenhaus“ erklärt, in das viele weitere Menschen mit jüdischen Wurzeln, die aus ihren Wohnungen vertrieben worden waren, einquartiert wurden. Karl Leopold und Emmy Brach durften nur noch in einem Zimmer leben, in welches Ende des Jahres auch noch Emmys Schwester mit einquartiert wurde, die zuvor von Magdeburg, wo sie lange gelebt hatte, wieder in ihr Elternhaus in der Lothringer Straße gezogen war.

Alle drei wurden gemeinsam am 17. Juni 1942 deportiert. Sie wurden über Düsseldorf zum KZ Theresienstadt gebracht. Karl starb dort keine vier Monate später am 14. Oktober 1942. Emmy überlebte noch ein Jahr länger. Sie starb am 13. September 1943.