Emma Hartoch

Emma Hartoch war die Schwiegermutter von Erich Salmang, für den sowie dessen Frau Betty geb. Hartoch und Tochter Marion im Jahr 2021 vor dem Haus Alfonsstraße 4 Stolpersteine verlegt wurden. Bei der Vorbereitung der damaligen Verlegung fiel uns auf, dass auch die Schwiegermutter Opfer der Shoah wurde. Es war aber zu spät, noch einen zusätzlichen Stein für sie zu beantragen.

Emma Hartoch wurde am 1. August 1875 in Aachen als 7. Kind von Heinrich Hartoch und Bertha geb. Sanders geboren.

In der Aachener Tageszeitung Echo der Gegenwart vom 6. August 1875 gibt es die folgende Geburtsanzeige:


Da Emma am 1.8.1875 geboren wurde, können wir schließen, dass hier ihre Geburt angezeigt wird. Das ist schon ein sehr besonderes Zeugnis!

Emma Hartochs Mutter starb, als sie erst 3 Jahre alt war. Mit der zweiten Frau bekam ihr Vater noch weitere 8 Kinder, von denen aber nur 5 das Säuglingsalter überlebten. Im Gedenkbuch für die Opfer der Shoah aus Aachen findet sich auch ein Artikel zu Emma Hartoch, der auf Informationen einer Enkelin einer Halbschwester von Emma Hartoch beruht. Die Großnichte berichtet, dass es einen großen Zusammenhalt in der Familie gab und dass die Stiefmutter Rosalie keinen Unterschied zwischen ihren eigenen und den Stiefkindern machte.

Emma lebte als einziges Kind ihres Vaters dauerhaft in Aachen. Sie heiratete 1901 den Aachener Kaufmann Oskar Hartoch. Das Paar hatte zwei Kinder, den am 21.1.1903 geborenen Sohn Heinz und die am 9.8.1906 geborene Tochter Betty, von der wir oben schon gehört haben. Die Familie lebte lange im eigenen Haus in der Alfonsstraße 4, wo Oskar Hartoch bis mindestens 1929 eine Tuchgroßhandlung führte.

Die Ehe wurde vermutlich Ende der 20er Jahren geschieden und Oskar Hartoch taucht in den Aachener Adressbüchern ab 1930 nicht mehr auf. Ab 1929 bis zur Arisierung im Jahre 1938 war Emma Hartoch Eigentümerin des Hauses Alfonsstraße 4, in dem eine Zeit lang auch ihr Sohn Heinz mit Frau und Kind und die Tochter Betty mit ihrem Mann Erich Salmang und der Tochter Marion lebten.

Im Aachener Adressbuch von 1929 findet sich im Straßenregister zur Alfonsstraße der folgende Eintrag zur Hausnummer 4, der Frau E. Hartoch als Eigentümerin (E.) ausweist und den Kaufmann H(einz) Hartoch, den Kaufmann O(skar) Hartoch sowie den Kaufmann E(rich) Salmang als Bewohner des Hauses. (Es werden jeweils nur die sog. Haushaltsvorstände aufgeführt.):


Heinz Hartoch floh in den 30er Jahren nach Belgien und überlebte dort. Zum Schicksal von Betty, Erich und Marion Salmang vgl. den Beitrag zur oben erwähnten Stolpersteinverlegung.

Ab 1939 wurde kein jüdischer Grund- und Hausbesitz mehr zugelassen. Ab 1939 gibt es auch für Emma Hartoch, wie für die meisten jüdischen Menschen in Aachen, keinen Eintrag mehr im Personenregister des Adressbuches, aber Frau E. Hartoch ist weiter im Straßenverzeichnis als Bewohnerin des Hauses Alfonsstraße 4 mit nunmehr einem anderen Eigentümer aufgeführt, vgl. Auszug aus dem Straßenregister zur Alfonsstraße im Aachener Adressbuch von 1939:

Während ihre Kinder mit den Familien nach Belgien geflohen waren, blieb Emma Hartoch bis zur Deportation in Aachen.

Wie die meisten Aachener Jüdinnen und Juden musste Emma Hartog im März 1941 ihre Wohnung verlassen und wurde in einem sogenannten Judenhaus interniert, sie war im sog. „Ghetto Eupener Straße 249“ untergebracht. In dem erhalten gebliebenen Hausbuch des Hauses Eupener Straße 249 von 1941/42 wurde genau dokumentiert, wer wann woher und wohin hinzukam oder wieder weg musste.

Daher wissen wir, dass Emma Hartoch seit dem 25. März 1941 im Ghetto in der Eupener Straße leben musste und von dort am 25. Juli 1942 mit dem letzten großen Transport von Aachen nach Theresienstadt deportiert wurde. Von diesem Transport (VII/2 Aachen – Theresienstadt) ist in Theresienstadt die Transportliste erhalten geblieben, die dann noch weitere Auskünfte gibt.

Hier ein Auszug aus S. 14 der Deportationsliste zum Transport VII/2 Aachen – Theresienstadt (Ankunft in Theresienstadt am 26.7.1942) mit dem Eintrag zu Emma Hartoch unter der laufenden Nummer 52:


Dort findet sich rechts auch der handschriftliche Hinweis auf Transport Bp, die Bezeichnung des Deportationszuges von Theresienstadt nach Treblinka am 21.9.1942, mit der Nummer 1211 als „Häftlingsnummer“ für Emma Hartoch.

Daher wissen wir, dass man die 67jährige Emma Hartoch schon am 21. September 1942 weiter in das Vernichtungslager Treblinka deportierte, wo sie ermordet wurde.

Foto von Emma Hartoch, entnommen aus Familienbuch-Euregio, zur Verfügung gestellt von Edith Devries, einer Nichte von Emma Hartoch



P.S. Die Gruppe der Omas gegen Rechts Aachen hatte bei uns angefragt, ob sie die Patenschaft über einen der Stolpersteine übernehmen könnten, und sie haben den Stein zur Erinnerung an Emma Hartoch finanziert.