|
Page 2 sur 6
David Hansemann, Gründer unserer Schule und die Aachener Münchener Versicherungsgesellschaft
Was hat David Hansemann mit dem Einhard zu tun?
Hansemann (1790 -1864) gründete im Jahre 1825, also mit 35 Jahren, die 'Aachener und Münchener Feuerversicherungsgesellschaft', und diese stiftete, mit insgesamt fast 400 000 Goldmark, das Kaiser-Wilhelms-Gymnasium, das vor gut 50 Jahren in 'Einhard-Gymnasium' umbenannt wurde.
Wie aber kommt ein 34-jähriger Unternehmer, Wirtschafts- und Finanzpolitiker auf die - im Jahre 1824 wahrhaft revolutionäre - Idee, das Modell einer 'wohltätigen Feuerversicherungsgesellschaft' zu entwerfen, deren Gewinn zur Hälfte gemeinnützigen Zwecken dienen sollte? Und wie bleibt diese positive Gesinnung auch nach seinem Tod in den leitenden Herren der 'Aachener und Münchener' lebendig, eine Gesinnung, die u.a. zur Gründung der RWTH oder zur Stiftung eines kompletten Gymnasiums führte?
"David Hansemanns Staatsgesinnung" (so auch der Titel eines Aufsatzes des ehemaligen Einhard-Kollegen Prof. Dr. Hallmann in der Festschrift zum 75-jährigen Bestehen der Schule) war die eines Menschen, der, ohne selbst ein Gymnasium besucht zu haben, alles, was er im Leben geschaffen hatte, mit seinem liberalen, wagemutigen Leistungsdenken und Verantwortungsbewusstsein begründete und prägte.
So ist es nicht verwunderlich, dass in seinen Bildungsvorstellungen für die Erschließung kreativer und wissenschaftlicher Ressourcen im Bürgertum die Eigeninitiative, die solide institutionelle Grundlage und die selbstverständliche Hilfsbereitschaft wirtschaftlicher Verantwortungsträger zusammengehörten.
Ein Brief aus dem Jahre 1839 zeigt sein Verhältnis zu materiellem Besitz: "Mit der Überzeugung, daß, wenn ich Zeit und geistige Anstrengung ganz den Geschäften widmete, mein Vermögen wahrscheinlich jetzt das doppelte betragen würde, arbeite ich viel in allgemeinen Angelegenheiten. Ich erachte Vermögen nur als Mittel, nicht Zweck. Dieses Mittel bringt Unabhängigkeit, Beruhigung für die Lebensdauer und die Fähigkeit, den Kindern eine gute Erziehung mitzugeben und außerdem nützliche Ausgaben machen zu können."
Prof. Hallmann schließt seinen Aufsatz mit den Sätzen:
"Es ist eine Ehre für das Einhard-Gymnasium, mit diesem Manne und altliberalen Staatsbürger im vollen Sinne des Wortes gewissermaßen in der Enkelgeneration verbunden zu sein infolge der Mithilfe seiner Tochtergründung, der Aachener und Münchener Feuerversicherungsgesellschaft, bei der Entstehung des Kaiser-Wilhelms-Gymnasiums. Mögen Lehrer und Schüler sich dieser Ehre immer bewußt und ihrer würdig sein!"
Hansemanns Vorstellung von einer 'guten Erziehung' und der 'nützlichen', d.h. sozial- und bildungspolitisch motivierten Ausgabe von Geld scheint er auf den Vorstand der von ihm gegründeten großen Versicherung übertragen zu haben. In der Festschrift zum 25-jährigen Bestehen unserer Schule im Jahre 1911 heißt es in altväterlicher und rührend gestelzter Sprache: "Die Staatsregierung ...beschloß, die Einrichtung eines zweiten staatlichen Gymnasiums, dem immer stärker hervortretenden Bedürfnisse entsprechend, durchzuführen. Die mannigfachen Schwierigkeiten, die sich der Ausführung eines so großen Planes fast stets entgegenstellen, würden nicht so rasch beseitigt worden sein, wenn nicht plötzlich der Sache eine Förderung entgegengebracht worden wäre, wie sie in den Annalen der Schulverwaltung nur selten verzeichnet werden kann.
Durch Schreiben vom 27. April 1881 zeigte nämlich die Direktion der Aachener und Münchener Feuerversicherungsgesellschaft dem Herrn Regierungspräsidenten von Hoffmann an, daß sie, überzeugt von dem dringenden Bedürfnisse, der Staatsregierung zur Gründung eines neuen Gymnasiums für die Städte Aachen und Burtscheid die Summe von 300 000 Mark zur Verfügung stelle. Mit dem Ausdrucke wärmsten Dankes für die so große Opferwilligkeit wurde die großartige Zuwendung angenommen, und man ging sofort daran, den praktischen Fragen der Beschaffung eines Baugrundes, dem einstweiligen Beginn des Unterrichts in gemieteten Räumen, der Aufstellung eines Etats usw .näher zu treten.
Noch einmal gab die Direktion der Aachener und Münchener Feuerversicherungsgesellschaft einen dankenswerten Beweis ihres Entgegenkommens, indem sie nicht nur behufs Erweiterung des anzukaufenden Bauplatzes den bereits überwiesenen Betrag um ein Ansehnliches erhöhte, sondern auch angesichts der Unmöglichkeit, ohne Mieten ungeeigneter Klassenräume den genannten Eröffnungstermin inne zu halten, mit der Erklärung nicht zurückhielt, daß ihre Schenkung von der Einrichtung eines Provisoriums nicht abhängig sei.
So konnte nun über den Ankauf des für den Neubau in Aussicht genommenen großen Gartens zwischen der Lothringerstraße und der Hochstraße mit den Eigentümern der Vertrag abgeschlossen werden, der am 16. September 1882 die ministerielle Genehmigung erhielt."
|