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Philosophisches Café Version imprimable
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Im Sommer 2005 öffnete das „Philosophische Café" im Philosophie-Raum des Einhard-Gymnasiums. Das Café bietet die Gelegenheit zu unkonventionellen philosophischen Gesprächen in lockerer, aber doch konzentrierter Atmosphäre. Jeder kann Denkanstöße geben, Thesen vortragen und Diskussionen leiten.

Aktuelle Problemfälle angewandter Ethik sind genauso Thema wie Anti-Gewalt-Filme, etwa „Rize. Tanz um dein Leben", und die - von einer bolivianischen Gastschülerin vorgestellte - indianische Ethik als neue politische Maxime. Unter den wachsamen Augen berühmter Philosophen und Philosophinnen, deren Portraits den Philosophie-Raum schmücken, werden Beiträge zu philosophischen Essay-Wettbewerben auf Bundes- und Landesebene diskutiert und korrigiert - durchaus mit Erfolg, wie die feierliche Verleihung der Urkunden anlässlich der erfolgreichen Teilnahme am Wettbewerb durch den Schulleiter zeigte.

Wer weiter diskutieren möchte, wenn die Schulglocke klingelt, kann dies Tag und Nacht in einem von Schülern eingerichteten Internet-Forum unter dem Namen „Club der freien DenkerInnen" tun. Das Philosophische Café soll bald auch für ehemalige Abiturientinnen- und Abiturienten geöffnet werden. Diese werden von ihrem Studienfach Philosophie und der Verbindung von Wirtschaft und Philosophie berichten, die z.B. an der Universität Maastricht im Vordergrund steht und auch von unserem Schul-Kooperationspartner Thyssen Krupp Steel AG gefördert wird, dessen Bildungszentrum wir regelmäßig besuchen. 

Am 21.6.2005 öffnete ein „Philosophisches Café“ im Philosophie-Raum U 104 des Einhard-Gymnasiums. Diese Gelegenheit zum Gespräch konstituiert sich unregelmäßig, aber immer öfter, wie zu Sartres 100. Geburtstag, um auf unkonventionelle Weise das philosophische Gespräch informell, aber gast­freundlich in der Tradition der antiken Symposien, bei Kaffee und Kuchen, Kola und Keksen, vorzugsweise existentialistisch (schoko-)schwarz, zu ermöglichen. Neben Jean Paul Sartres und Simone de Beauvoirs öffentli­chem Philosophieren in den Pariser Cafés der Nachkriegszeit unter dem Motto „Ich suche das Gespräch mit dir, also bin ich“ ist die Mittagstafel Immanuel Kants unser Vorbild, - also auch einmal als Kontrast weißes Baguette und Camembert -, ein Tisch, an dem Persönlichkeiten aus allen Bereichen des Lebens, Bankiers, Buchhändler, Poeten und politische Potentaten, in der weltoffenen Handelsmetropole Königsberg um 1800 philosophierten, um nach den Menschenrechten als common sense zu fragen, die Handel und Wandel erst in zivilisierten Bahnen ermöglichen. Inspiriert durch den durch kostbare Philosophen- und jetzt auch Philosophinnen-Portraits geschmückten Philosophie-Raum [LINK: Photos]. werden aktuelle Problemfälle angewandter Ethik wie die an die Heranwach­senden herange­tragene Pflicht zur Patientenverfügung beim Führerschein-Erhalt entfaltet. Jeder kann kann einen Denkanstoß vorschlagen, seine Thesen dazu in freiem Vortrag vorstellen und die Diskussion leiten. Eine Gastschülerin aus Bolivien, Paloma Diaz-Dickson – nach Aussage der Schulleitung ein Entfernungs­rekord – wurde am 9.3.2006 im Rahmen des Philosophischen Cafés verabschiedet. Sie hat ein halbes Jahr mitphilosophiert und den Unterricht durch aktuelle Bezüge zur politischen Philosophie des ersten indigenen Präsidenten der Welt, Evo Morales, bereichert. Paloma erschien im indianischen Poncho und überzeugte den Kurs engagiert vom Vorbild der neuen Politik in der Inka-Ethik mit den drei klaren Regeln „ama killa, ama llulla, ama shwa“, übersetzt: nicht stehlen - nicht lügen - nicht faul sein, d. h. immer arbeiten und sein Leben selbst in die Hand nehmen“. [LINK: Photo] Im Anschluss an die Anti-Gewalt-in-den-Schulen-Kampagnen, ausgelöst durch den Hilferuf der Rütli-Schule in Berlin am 30.3.2006, wurden Mentor-Filme wie „Evil“ und „Rize. Tanz um dein Leben“ gemeinsam angeschaut und diskutiert, um – auch für jüngere Schülerinnen und Schüler in der Sekundarstufe I, z. B. auch die Teilnehmenden an den Kursen „Praktische Philosophie“ (LINK: Infos zur Vorstellung dieses neuen Faches) – Gewaltlosigkeit anschaulich als Wert zu vermitteln. Interessierte, hoch motivierte Schülerinnen und Schüler, die an den alljährlichen Philosophischen Es­say-Wettbewerben auf Bundes- und Landesebene mit Perspektive auf die Internationale Philosophie-Olympiade teilnehmen, können in einer Schreibkonferenz ihre Gedankengänge zu Thesen reihum korrigieren lassen. Zertifi­kate wie die Urkunden über eine erfolgreiche Teilnahme werden in einer Feierstunde vom Schulleiter verliehen, der, z.B. am 30.5.2006, in einer Rede an Voltaires Todestag, eindringlich die Bedeutung des Zusatz-Engage­ments als Bereitschaft, „mehr zu wollen“, und Selbst-Erprobung, „mehr zu können“, .hervorhob. [LINK: Essays, Laudationes und Photos] Da das Gespräch über philosophische Fragen aber nicht an einen bestimmten Ort oder eine bestimmte Zeit gebunden sein kann, wurde von den Administratoren Daniel Jobes und Leonid Kostrykin ein Internet-Fo­rum eingerichtet unter dem Namen „Club der freien DenkerInnen“, in dem Tag und Nacht für die registrierten Teil­nehmenden die Möglichkeit zum Austausch über alle möglichen Fragen und alle möglichen Antworten gegeben ist. Auch Paloma informiert uns innerhalb des Internets über die weitere Entwicklung in Bolivien. Dieser Internet-Forum-Austausch funktioniert und floriert seit über einem Jahr und soll demnächst auch für jüngere Jahrgänge als die jetzige 13 geöffnet werden. Innerhalb des „Philosophischen Cafés“ werden die alljährlichen Exkursionen zum Bildungszentrum der Thyssen Krupp Steel AG vorbereitet und ausgewertet, um wirtschaftsethische Theorien aus dem Unterricht in einer Diskussion mit Wirtschaftsfachleuten auf die Praxisrelevanz zu überprüfen, wobei die Dilemma-Situation zwischen den Werten „Rentabilität vs. Moralität“ durchaus kritisch vor Augen geführt und ausgehalten werden muss. Im Sinne einer Kopernikanischen Wende, d. h. einem Gedankenexperiment, in dem eine starre Struktur einfach einmal anders herum betrachtet wird, hier: es dreht sich nicht alles um den Arbeitgeber, sondern um den Arbeitnehmer - können die Schülerinnen und Schüler einmal überlegen und vor sich und anderen darlegen, wie sie sich unter ethischen Gesichtspunkten ihren zukünftigen Arbeitgeber und zukünftigen Arbeitsplatz unter den Kriterien einer Zukunftsverantwortung für Mensch und Welt wünschen. Ehemalige Abiturientinnen- und Abiturienten berichten als Studierende des Faches „Philosophie“ über Erfahrungen, z.B. Golo Kronenwerth, der innerhalb seines wirtschaftswissenschaftlichen Studiums an der Uni­versität Maastricht als Pflichtfach „Philosophie“ belegt. So kann der Stellenwert des Faches Philosophie als Basis eines „Studium generale“ – beim Aachener Blick über den europäischen Gartenzaun - wiedergewonnen werden. Philosophie mit ihren beiden Polen Selbsterkenntnis und Welterkenntnis sollte für jeden Menschen, der sich selbst und auch andere verantwortlich in eine bessere Zukunft führen möchte, selbstverständliche Lebens­praxis sein, die allerdings nicht im stillen Kämmerlein, sondern in der Gemeinschaft Identitäts- und Konsensfindung ermöglicht.

Über die Aktionen innerhalb des Philosophischen Cafés wird die Schulöffentlichkeit regelmäßig unter der Rub­rik „Philosophisches Think-In“ im „Einhard-Kompakt“ informiert.