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ThyssenKrupp Steel AG Drucken

thyssen-krupp-logoTHYSSENKRUPP- STEEL Einblicke in Stahlproduktion, Ausbildungsberufe und Betriebsethik
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Seit Anfang 2004 ist das Einhard-Gymnasium Aachen eine von insgesamt 9 Schulen, mit denen die ThyssenKrupp Steel AG in Duisburg eine Kooperation initiiert hat. Während sich die übrigen Schulen im unmittelbaren Umfeld des Konzerns befinden, bildet das Einhard-Gymnasium aufgrund seiner räumlichen Nähe zur RWTH-Aachen eine Ausnahme. Die Grundidee hierfür ist eine engere Verknüpfung der Kontakte zwischen der RWTH, ThyssenKrupp Steel und dem Einhard-Gymnasium.

Seit Beginn dieser Kooperation wurde das Einhard-Gymnasium auf vielfältige Art und Weise unterstützt: Neben Konzernbesichtigungen in Duisburg für unterschiedliche Jahrgangsstufen und Unterrichtsfächer (Chemie, Erdkunde, Philosophie, Schülerfirma) und Expertenbesuchen des Konzerns an der Schule (Erdkunde) erhält die Schule auch materielle Unterstützung. Hierzu zählen beispielsweise die Reparatur defekter Geräte, die Unterstützung bei der Anschaffung unterrichtsbezogener Materialien (Optikkoffer) sowie projektbezogener Arbeiten im außerunterrichtlichen Kontext (Schülerfirma, Lego-League, Berufestraße).

Mit dem Abiturjahrgang 2005 wurde erstmals bei der Zeugnisverleihung der ThyssenKrupp-Award für herausragende Leistungen im Abitur verliehen. Hierbei werden Schülerinnen und Schüler ausgezeichnet, die sich neben hervorragenden Leistungen auch durch ihr Engagement für die Schulgemeinschaft hervortun.

Die ThyssenKrupp Steel AG bietet einzelnen Schülerinnen und Schülern darüber hinaus die Möglichkeit zur Teilnahme an interessanten Messen und Informationsveranstaltungen (Stahlcampus, ‚ThyssenKrupp-Tag auf dem Schiff', IdeenPark-Hannover) und ist bei der Vergabe von Studienstipendien ebenfalls behilflich.

Die Kooperation zwischen dem Einhard-Gymnasium und der ThyssenKrupp Steel AG kann als äußerst intensiv angesehen werden, kam es doch allein in den letzten zweieinhalb Jahren zu über 30 Kontakten.

Wirtschaftsethik

Durch eine Exkursion zum Bildungszentrum der Thyssen Krupp Steel AG erhalten die Teilnehmenden des 13er Philosophie-Kurses regelmäßig die Möglichkeit, mit einem Vertreter des Konzerns über Wirtschaftsethik zu diskutieren. Die theoretisch erarbeiteten kontroversen beiden ethischen Grundlinien der Pflichtethik Kants und der Erfolgsethik des Utilitarismus können am praktischen Beispiel des globalen und zukunftsorientierten Handelns eines Weltkonzerns auf Praxisrelevanz geprüft werden. Wenn der Konzern als „Firmenphilosophie" die „triple bottom line" eines Gleichgewichtes aus Ökologie, Ökonomie und Sozialem ausgibt, darf in einem offenen Gespräch nach dem Dilemma zwischen Wohlstand durch Wettbewerb auf der einen Seite und Wertmaßstäben auf der Basis des individuell anerkannten Gemeinwohls andererseits gefragt werden. 

Unser Tag bei Thyssen Krupp - Eine Exkursion in die Untiefen der Wirtschaftsmoral


Ein Erfahrungsbericht von Martin Sistermann und Katharina Sehring (Abiturientia 2006)

 

Am 15.12.05 unternahm der Philosophiekurs mit Frau Kupfer eine Exkursion zum Großkonzern Thyssen Krupp vor dem Hintergrund einer kritisch-ethischen Auseinandersetzung mit der Firmenideologie eines Wirtschaftskonzerns. Die Ausgangsposition dabei war die Frage nach dem Gebrauch der Ethik als persönliche Pflicht (a priori) oder als wirtschaftliche Pflichtmäßigkeit (a posteriori) gegenüber der Öffentlichkeit mit dem Ziel des maximalen Gewinns.

Letztere beschreibt das methodische Vorgehen eines Konzerns, der sich innerhalb der Bedingungen des globalen Marktes behaupten muss. Die Gefahr einer Übernahme, welche ein freiheitliches Handeln des Konzerns weiter einschränken würde, diktiert enge Rahmenbedingungen, um mit dem Fortschreiten der Globalisierung konkurrenzfähig zu bleiben. Zu gängigen Praktiken gehören auch hier Nach-Außen-Verlegung (outsourcing) der Produktion, Wegrationalisierung von Arbeitsplätzen und ein umfassendes Zugeständnis an harte Wettbewerbsbedingungen (Konkurrenz).

Der Referent Herr Mogk nannte dies die Frage „ob man lieber mitspielt und seine Seele verkauft oder auf Wohlstand verzichtet." Letzteres sieht er als Handlungsmöglichkeit eines Großkonzerns als nicht akzeptabel. Die Möglichkeit und die Hoffnung eines Einzelnen/ einzelnen Unternehmens verändernd auf die Marktbedingungen einzuwirken bezeichnet er als vollkommen "blauäugig".

Dennoch gab Herr Mogk zu, dass sich ein solches Unternehmen an einen gewissen ethischen Minimalismus halten muss. Es gelte die „triple bottom line", die immer ein Gleichgewicht aus Ökologie, Ökonomie und Sozialem garantieren soll. Jedoch diene dies, wie er zugab, letztlich ausschließlich der wirtschaftlichen Rentabilität. Die öffentliche Reputation trage erheblichen Anteil an der Auftragslage und damit am wirtschaftlichen Erfolg. Denn „ein Wirtschaftsunternehmen ist nicht dazu da, Ethik zu verkaufen."

Diese Erfolgsideologie steht im starken Kontrast zur Kantischen Ethik. Unabhängig von äußeren Rahmenbedingungen geht diese von der eigenen Wertsituation aus, welche einer ehrlichen Verantwortung gleichkommt. Die unüberwindbar scheinenden Hürden, welche durch Wirtschaftsregeln diktiert werden, wären nach Kants Vorstellung der Verantwortung jedes Einzelnen nicht gegeben. Das situationsbedingte, utilitaristische System, in dem sich die Unternehmenswelt abspielt kann mit Kants Allgemeingültigkeitsanspruch nicht vereint werden. Auch der von Mogk als aussichtsloser und naiv bezeichneter Kampf des Einzelnen/einzelnen Unternehmen gegen ein etabliertes System ist nach Kant nicht mehr notwendig, da ein solches System, wie das der Wirtschaft zugrunde liegende, nicht mehr existiert und der Zwang des Einzelnen/einzelnen Unternehmen, sich zu verkaufen, ebenfalls entfällt.

Abschließend ist festzuhalten, dass Mogks realistische Einschätzung der Situation sicherlich den momentanen Gegebenheiten gleichkommt, er jedoch jegliche Änderung und Weiterentwicklung zu einer Übereinkunft von Wirtschaft und Moral als utopisch bezeichnet.

Anhand der Diskussion wurde uns offensichtlich, dass das Nutz-Kalkül der Wirtschaft ethisch nicht zu rechtfertigen ist und diese Möglichkeit von vornherein ausgeschlossen wird.

Dennoch betrachten wir es als eine wertvolle und lehrreiche Erfahrung, die wir keinesfalls missen möchten und die uns auf unserem Lebensweg hin zu einer Selbstfindung von großer Bedeutung ist.

Wir danken im Namen des Kurses Frau Kupfer, Herrn Mogk und allen Beteiligten, die uns diese Erfahrung möglich machten.

 

Ansprechpartner: P. Köster